Şakir Gökçebağ
Über
Die Kunst von Şakir Gökçebağ ereignet sich zwischen Ornament und Zeichnung. Meist arbeitet er mit Gebrauchsgegenständen, deren Form und Funktion jedem sofort ersichtlich ist. Dies entspricht seiner Suche nach einer universellen Formensprache. Während seines Aufnethaltes entstanden drei temporäre Installtionen: Im Museum Lindwurm liess er sich von der traditionellen Fachwerkbauweise des Hauses inspirieren. Seine Installation mit Zollstöcken fügt sich rhythmisch in die vorgegebene Wandgliederung ein. Gleichzeitig eröffnet sie eine neue architektonische Leseweise und Raumwahrnehmung.
Er arbeitet in den Medien Installation/Skulptur, Fotografie und Zeichnung. In seinen Installationen verwendet er Alltagsgegenstände, die er neu arrangiert, kombiniert, verfremdet und dadurch ihrer ursprünglichen Funktion entzieht. Gökçebağ verwendet beispielsweise Schirme für seine fragilen Arbeiten, auch Schuhe, Toilettenpapier und Teppiche finden sich in seinen zum Teil humorvollen Arbeiten wieder.
Im Museum Lindwurm passte er Zollstöcke genau in die Wandfelder ein. Zollstock für Zollstock wurde die Wandfläche hier zum Ornament. Im Kloster St. Georgen schlug er mit der Verwendung von roten Linsen einen anderen Weg ein. Hier hat es ihm die zeichnerische Qualität der Fugen des Dielenbodens angetan, die er kontrastreich betonte. Besonders die zeichnerische Qualität der Fugen des Dielenbodens, die im Kontrast zur barocken Stuckdecke und dem umlaufenden Täfer stehen, haben es dem Künstler angetan. Überbordender Üppigkeit setzt der Künstler reduzierte Linienfragmente entgegen. Şakir Gökçebağ betont alle horizontalen Flächen des Raumes und konzentriert sich auf die Lücken und Zwischenräume. Vollflächig breitet er einen Teppich aus Linsen auf den Fensterbrettern aus, platziert sie behutsam entlang der schmalen Profile des Täfers. Es ist immer eine Frage des richtigen Masses und der richtigen Menge der aufgeschütteten Linsen, nicht zu wenig aber ja nicht zu viel. Eine einzige Linse zu viel kann den losen Zusammenhalt zum Einsturz bringen.
Mit seiner abstrakten Arbeit wirft der Künstler fundamentale Fragen auf. Wie die, nach dem Verhältnis des Teils zum Ganzen, nach der Stabilität oder Fragilität von Ordnungssystemen und Regeln. Während eine einzelne Linse sich im Raum verlieren würde, unsichtbar bliebe, gewinnt sie in der Anhäufung Sichtbarkeit und Kraft. Eine sehr sensible Arbeit, die die Aufmerksamkeit des Betrachtenden auch auf den eigenen Körper und seine Bewegung lenkt. Jeder Schritt, die Art des Auftretens, jedes Geräusch kann die Linsen in Bewegung versetzen und zu Fall bringen. Zwischen Beschränkung und Freiheit begegnen wir uns selbst und dem anderen.
Auf besondere Weise gelingt es dem Künstler in der Installation «Firmament» einen vielschichtigen und sehr feinsinnigen Dialog zwischen dem spätgotischen Netzgewölbe des Kreuzgangs und den in Reihen angeordneten aufgespannten Regenschirmen zu knüpfen. Die Ähnlichkeit zwischen dem Aluminiumgerippe der Regenschirme und dem Kreuzrippen des Gewölbes ist unverkennbar. Hier wie dort entsteht durch vielfache Überkreuzungen eine netzartige Struktur. Leuchtend weiss hebt sich die Innenbespannung vom Schwarz der Regenschirme ab. Gökçebağ zeichnet dem Volumen der Schirme eine je individuelle Geometrie ein, mit der er die gleichmässige Rhythmik und Segmentierung des Netzgewölbes imitiert aber nicht kopiert. Dem Gleichklang und der Norm begegnet er mit einer zurückhaltend formulierten Setzung von Einzigartigkeit. Kein Schirm gleicht dem andern. Weitere Ähnlichkeitsbilder steigen in der klösterlichen Atmosphäre auf: die schwarzen Schirme erinnern an die im Gleichschritt zum Gebet schreitenden Benediktinermönche in ihrer einheitlich dunklen Ordenstracht, an ihre Gemeinschaft, in der sich der Einzelne dem grösseren Ganzen unterordnet. Wie in einer gegenseitigen Bespiegelung tauschen sich die beiden «Firmamente» über die Architektonik der Welt aus, über die Schwere und Leichtigkeit, Tragendes und Lastendes.
«Şakir Gökçebağ ist getrieben von der Idee, einen auf seine reine Funktionalität reduzierten Gegenstand (…) mit oft nur minimalen Eingriffen in ein künstlerisches Objekt zu überführen. Dieses wird dann mittels Multiplizieren, serielle Reihung und Schichtung Teil raumgreifender Installationen. Der einzelne Gegenstand tritt dabei immer weiter zurück, wird zum Baustein eines grösseren Ganzen, das sich in einer Allover-Struktur zu einem grossflächigen, präzise ausgeloteten Muster formiert.» (Barbara Auer 2017).
Biografie
Der bildende Künstler Şakir Gökçebağ, 1965 in Denizli (Türkei) geboren, er studierte in Istanbul. Er arbeitet in den Medien Installation/Skulptur, Fotografie und Zeichnung.
Şakir Gökçebağ erhielt 2016 den Leo Breuer Preis und 2012 den George Maciunas Preis, Wiesbaden. Neben seinen Ausstellungen in der Türkei nahm Şakir Gökçebağ an zahlreichen internationalen Ausstellungen in ganz Europa teil. er erhielt 2016 den Leo Breuer Preis und 2012 den George Maciunas Preis, Wiesbaden. Neben seinen Ausstellungen in der Türkei nahm Şakir Gökçebağ an zahlreichen internationalen Ausstellungen in ganz Europa teil, darunter im Kunsthaus Pasquart, Biel; Martin-Gropius-Bau, Berlin; Arp Museum, Remagen; Sotheby's, London. Seit 2001 lebt und arbeitet der Künstler in Hamburg.
Info
Weitere Informationen
www.sakirgokcebag.com



